Stellungnahme zu Kreislaufwirtschaft als Zukunftspfad für ein nachhaltiges Rheinland-Pfalz
Der Zukunftsrat Nachhaltige Entwicklung Rheinland-Pfalz hat die Stellungnahme „Kreislaufwirtschaft als Zukunftspfad für ein nachhaltiges Rheinland-Pfalz“ beschlossen. Sie ist Ergebnis intensiver fachlicher Analysen und des interdisziplinären Austauschs der Mitglieder des Zukunftsrats. Die Stellungnahme soll den Dialog über nachhaltige Entwicklung in Rheinland-Pfalz fördern.
Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass ein wirksamer Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ohne einen grundlegend anderen Umgang mit materiellen Ressourcen nicht erreichbar ist. Die Kreislaufwirtschaft bietet hierfür einen zentralen Zukunftspfad: Sie trägt dazu bei, Ressourcenverbrauch und Treibhausgasemissionen zu senken, Abfälle zu vermeiden und Wertschöpfung langfristig zu sichern.
Die Stellungnahme umfasst fünf zentrale Aspekte:
1. Kreislaufwirtschaft als systemischer Zukunftspfad
Kreislaufwirtschaft ist mehr als Abfallvermeidung oder Recycling. Sie erfordert ein systemisches Umdenken entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Produktgestaltung über Nutzung und Wiederverwendung bis hin zum hochwertigen Recycling. Ziel ist es, Stoffkreisläufe möglichst vollständig zu schließen und Ressourcen langfristig zu erhalten.
2. Qualitätskriterien für wirksame Kreisläufe
Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft muss drei Kriterien erfüllen: die Schließung der Stoffkreisläufe in der Menge, den Erhalt der Materialqualität sowie einen möglichst geringen Energie- und Umweltaufwand. Nicht jede technisch mögliche Lösung ist automatisch nachhaltig – entscheidend ist eine ganzheitliche Bewertung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Wirkungen.
3. Kunststoffverpackungen: großes Potenzial, ungenutzte Chancen
Kunststoffe sind wertvolle Materialien, die sich bei entsprechender Gestaltung gut im Kreislauf führen lassen. Hochwertiges mechanisches Recycling kann erhebliche Energie- und CO₂-Einsparungen erzielen. Voraussetzung ist ein konsequentes Design for Recycling. Der Zukunftsrat stellt fest, dass die technische Machbarkeit gegeben ist, es jedoch an ausreichenden wirtschaftlichen und politischen Anreizen für eine breite Umsetzung fehlt.
4. Bausektor als Schlüsselbereich der Kreislaufwirtschaft
Der Bau- und Gebäudebereich verursacht einen erheblichen Anteil an Ressourcenverbrauch und Abfallaufkommen. Eine nachhaltige Transformation ist ohne eine zirkuläre Bauwirtschaft nicht möglich. Der Zukunftsrat empfiehlt insbesondere den verstärkten Einsatz von Recycling-Baustoffen, den Erhalt und die Weiterentwicklung des Gebäudebestands sowie die stärkere Nutzung nachwachsender und kreislauffähiger Baustoffe wie Holz und Lehm.
5. Rahmenbedingungen als Hebel
Um die Kreislaufwirtschaft voranzubringen, kommt der öffentlichen Hand eine besondere Vorbildrolle zu – etwa bei Beschaffung, Bauvorhaben und Förderprogrammen. Flankierend sind Investitionen in Sammel-, Sortier- und Recyclinginfrastrukturen notwendig. Zudem hebt der Zukunftsrat die Schlüsselrolle der Bildung für nachhaltige Entwicklung hervor, um zirkuläres Denken in Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung zu verankern.
Mit seiner Stellungnahme will der Zukunftsrat verdeutlichen, dass die Kreislaufwirtschaft ein zentraler Zukunftspfad für ein nachhaltiges Rheinland-Pfalz ist. Die Empfehlungen sollen in politische Strategien und Maßnahmen einfließen und dazu beitragen, Ressourcen zu schonen, Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig Innovationskraft sowie regionale Wertschöpfung zu stärken.
